Fahrradanhänger oder Fahrradsitz?

Fahrradanhänger oder Fahrradsitz?

Fahrradanhänger oder Fahrradsitz? Unsere Outdoor-Expertin hat es bei einer Spritztour mit Familie ausprobiert und die wichtigsten Pro- und Contra-Punkte für euch zusammengefasst.

Alles bereit für den Familienausflug?!

Die erste Fahrradtour der Saison hat uns an den nahegelegenen See verschlagen. Endlich Sonne. Endlich die Räder aus der Garage geholt. Egal, dass auch die erstmal einen Frühjahrsputz vertragen hätten. Die Vorfreude war so riesig, dass wir alle den Papa anfeuerten, doch bitte schneller die kurze Inspektion der Reifen, Bremsen und des ganzen Schnickschnacks durchzuführen. Wir wollten los!

Unterwegs mit Baby und Kind

Die Große mit ihren sechs Jahren auf dem eigenen Mountainbike mit Hello-Kitty-Fahrradkorb, den ich als Mama eigentlich schon letztes Jahr verschwinden lassen wollte. Und dazu unser Einjähriger beim Papa hinten im Fahrradanhänger, der im vergangenen Jahr noch selig schlummernd in der zugehörigen Hängematte die Touren verschlief und jetzt einen Brotzeitvorrat für mehrtägige Reisen neben sich ausbreitete. Gut, dass wir einen großen Anhänger haben, der eigentlich Platz für zwei Kinder bietet und im Sommer neben Kind und Brotzeit auch alle Badeutensilien verstauen kann.

Pro & Contra: Fahrradanhänger oder Fahrradsitz

Es ist eine leichte, flache Tour gewesen. Genau richtig für den Start in die Saison. Blöd nur, dass der Zweisitzer-Anhänger für so eine Fahrt, die auch mal über Bürgersteige geht und durch enge Gassen führt, nur mäßig geeignet ist. Er ist einfach zu groß, zu breit, zu wuchtig. Ich frage mich manchmal, was eigentlich besser ist. Ein Anhänger oder doch eher der klassische Fahrradsitz? 

1) Platzverbrauch: Plus für den Fahrradsitz

Den ersten Pluspunkt sammelte der fehlende Sitz also bei unserer eigenen Fahrradtour. Ein Sitz ist einfach viel platzsparender und das umständliche Rangieren fällt auch weg. Ein Sitz fällt am Fahrrad kaum auf. Der Anhänger hingegen ist in jedem Fall breiter als das Fahrrad, auch wenn man sich für einen Einsitzer entscheidet, der ein gutes Stück schmäler ist als die Zweisitzer-Variante.

2) Wendiger: Plus für den Fahrradsitz

Fahren mit Fahrradanhänger ist so ähnlich wie das Steuern eines LKWs. Wendig ist etwas Anderes. Eine scharfe Kurve kann da schon mal zum Problem werden. Zwar verfügen die Anhänger über einen Kippschutz, aber lustig wird es trotzdem, wenn das Fahrrad bereits um die Kurve ist, der Hänger am Weidezaun aber partout nicht vorbei will. So auch bei unserer Tour. Da half nur gekonntes Rangieren. Und während Papa die Situation mehr oder minder galant meisterte, überlegte ich, ob eine Fahrschule für Fahrrad mit Anhänger eine neue Geschäftsidee wäre.

3) Platzangebot: Plus für den Fahrradanhänger

Aber das soll einen das Fahrradfahren natürlich nicht vermiesen. Uns schon gar nicht. Während unser Junior genüsslich seine Brezen verdrückte und vergnügt die Beine auf und ab trommelte, war ich froh um die Geräumigkeit des Gefährts. Im Fahrradsitz sind die Kinder doch recht eingeschränkt, zumal auch die Füße festgeschnallt werden müssen. Der Anhänger bietet einen komfortablen Sitz, ist bei guter Auswahl des Modells bestens gefedert und lässt Platz für allen möglichen Krimskrams, den die Kleinen vielleicht brauchen. Sei es ein Stofftier, die Puppe, das Getränk, ein Buch oder, oder, oder. Die Betonung liegt da auf VIELLEICHT brauchen. Aber alle Eltern wissen: Wenn es nicht dabei ist, wird es in jedem Fall vermisst.

4) Gewicht: Plus für den Kindersitz

Wir fuhren also bestens gelaunt Richtung See, als uns ein umgekippter Baumstamm den Weg versperrte. Umdrehen? Kam nicht in Frage. Während unsere Tochter ihr Mountainbike alleine über den Koloss stämmte, legte ich mein Rad erstmal zur Seite. Papa und Junior brauchten Hilfe. Inklusive Kind aber auch ohne hat der Anhänger ein ordentliches Gewicht. Nicht zu vergleichen mit einem Fahrradsitz. Auch wenn man den Hänger nur selten anhebt, dieses Gewicht will auch gezogen werden. Verstohlen blickte ich auf die Kupplung an meinem Fahrrad, verdrängte aber das Angebot, auch mal den Anhänger ziehen zu können. Die Saison ist schließlich noch lang genug.

5) Wetterschutz: Plus für den Fahrradanhänger

Als wir dann unser Ziel erreichten, war die Freude groß. Am See gibt es einen großen Spielplatz. Die Kinder hatten Spaß, schaukelten, fuhren Seilbahn, rutschten und dachten gar nicht daran, die Heimreise anzutreten. Dann aber machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Vor lauter Spiel übersahen wir die aufziehenden Wolken und mussten am Ende recht übereilt den Rückzug antreten. Es begann zu regnen, was unsere Große mit Freude wahrnahm. Pfützen sind einfach das Schönste zum durchfahren. Wenigstens das. Und der Junior in seinem Hänger? Der war bestens vor den Tropfen geschützt, denn schließlich gibt es den Regenüberzug. Ein weiterer Pluspunkt für den Fahrradanhänger.

Und wo schläft es sich besser?

Daheim angekommen waren wir alle durchnässt. Bis auf unseren Sohn. Dem schien die Tour richtig gefallen zu haben, zumindest gab es trotz der bereits verspeisten Brotzeit keine Beschwerden auf der Heimfahrt. Als wir den Wetterschutz über den Anhänger zogen, sahen wir dann den eigentlichen Grund. Er war eingeschlafen und hing etwas schief in den Seilen. Wäre die Schlafposition im Fahrradsitz besser gewesen? Nein. Unserer Erfahrung nach tun sich da beide Varianten nichts. Aber Schlafen können kleine Kinder bekanntlich fast überall und in jeder Position.

Geschrieben von: Judith - Outdoor Spezialistin & Italien Expertin

Outdoor mit Kindern/Tipps zu Italien Schön, dass ihr hier vorbei schaut. Ich bin Judith, Mama von zwei Kindern und pendle mit meiner Familie zwischen Italien und Deutschland. Jede Woche einmal über die Alpen und zurück. Unsere Heimat sind die Südtiroler und die bayrischen Berge und unser Leben spielt sich vor allem draußen ab. Sei es mit dem Fahrrad und Kinderanhänger auf dem Weg zum See, mit Wanderrucksack, Babytrage oder Kraxn bergauf zum nächsten Gipfel oder auch mit Laptop im Garten unterwegs auf den Social-Media-Kanälen wie Facebook, Instagram oder Pinterest. Immer dabei auch unsere Hündin Emmy, die mit dem Energiepotential unserer Kinder schon lange nicht mehr mithalten kann. Ein zweiter Hund muss her! Das steht fest. Ich führe das Blog, bin selbstständige Webdesignerin und arbeite am liebsten - war klar - draußen. Gerne könnt ihr mich zu den Themen Italien, Outdoor mit Kindern und allem weiteren befragen, was ihr gerne wissen möchtet. Ich freue mich sehr über jede Nachricht und jeden Kommentar.

  • Sarahundbaby
    27-04-2017 23:31

    Die gleichen Gedanken hatte ich auch! Morgen holen wir erstmal unseren Radanhänger ab und hoffen unserer Kleinen gefällt es im Anhänger.